Was dran ist – und worauf Sie achten sollten
Der Griff zum Kaugummi nach dem Essen ist für viele zur Gewohnheit geworden. Erfrischt den Atem, beschäftigt den Kiefer – aber macht Kaugummi wirklich die Zähne sauber?? .
Diese Frage stellen sich viele unserer Patientinnen und Patienten. Die Antwort: Ja – aber mit Einschränkungen.
Kaugummi kauen: Kleine Wirkung mit praktischem Nutzen
Zuckerfreier Kaugummi kann tatsächlich einen Beitrag zur Mundgesundheit leisten. Beim Kauen wird die Speichelproduktion deutlich angeregt – und genau das ist entscheidend:
Speichel wirkt wie ein natürlicher Puffer, der Speisereste wegspült, Säuren neutralisiert und den Zahnschmelz mit Mineralien versorgt. Studien zeigen, dass der pH-Wert im Mund schon nach wenigen Minuten Kaugummikauen ansteigt – ein effektiver Schutz vor Karies.
Doch: Ein Kaugummi ersetzt niemals das Zähneputzen. Er ist eine ergänzende Maßnahme, kein Ersatz.
Was Speichel alles kann – unterschätzter Schutzmechanismus
Der Speichel spielt eine Schlüsselrolle für Ihre Mundgesundheit. Neben der Befeuchtung der Schleimhäute enthält er über 1.000 verschiedene Eiweiße und Enzyme, die Bakterien bekämpfen, Speisereste auflösen und den Zahnschmelz remineralisieren. Durch das Kauen eines Kaugummis wird die Speichelmenge um ein Vielfaches erhöht – eine natürliche Schutzreaktion des Körpers.
Besonders nach dem Essen, wenn Säuren aus Speisen oder Getränken auf die Zähne einwirken, ist dieser Effekt hilfreich.
Nicht jeder Kaugummi ist gesund
Wer seine Mundgesundheit unterstützen möchte, sollte ganz bewusst zur richtigen Sorte greifen. Denn nicht jeder Kaugummi ist zahnfreundlich::
- Vermeiden Sie zuckerhaltige Sorten – sie fördern Karies statt sie zu verhindern.
- Achten Sie auf den Hinweis „zahnfreundlich“ oder „zuckerfrei“.
- Xylit ist besonders empfehlenswert: Dieser Zuckeraustauschstoff wirkt sogar karieshemmend.
- Meiden Sie Produkte mit vielen Farbstoffen, künstlichen Aromen oder Säuren – sie reizen Zahnfleisch und Schleimhäute.
Tipp: Manche Apotheken führen spezielle Zahnpflege-Kaugummis, die auch Fluorid enthalten.
Der Unterschied zwischen „sauber“ und „gereinigt“
Kaugummi kann das Gefühl von Sauberkeit vermitteln: Der Atem wird frischer, Speisereste werden mechanisch gelöst. Doch echte Zahnhygiene bedeutet mehr: Nur mit Zahnbürste, Zahnseide und ggf. Interdentalbürsten wird der bakterielle Biofilm (Plaque) zuverlässig entfernt – also genau jene Beläge, die zu Karies und Parodontitis führen.
Verwechseln Sie deshalb nicht das frische Gefühl mit echter Reinigung.
Wissenschaftlich belegt: Was sagen Studien?
Mehrere Studien haben sich mit der Wirkung von Kaugummi auf die Zahngesundheit beschäftigt. Eine Untersuchung der Universität Zürich ergab, dass das Kauen von zuckerfreiem Xylit-Kaugummi nach den Mahlzeiten das Kariesrisiko um bis zu 50 % senken kann – wenn es zusätzlich zur normalen Zahnpflege angewendet wird.
Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt: Kaugummi kann dazu beitragen, den Zahnschmelz zu schützen – insbesondere, wenn er nach säurehaltigen Mahlzeiten eingesetzt wird.
Wann Kaugummi sinnvoll ist – und wann nicht
Kauen Sie idealerweise nach dem Essen, wenn gerade keine Zahnbürste zur Hand ist – etwa unterwegs oder im Büro. Die wichtigsten Hinweise im Überblick:
- Nur zuckerfreie Kaugummis, am besten mit Xylit
- Nach Mahlzeiten, zur Anregung der Speichelproduktion
- Nicht länger als 20 Minuten – sonst kann der Kiefer überlastet werden
- Nicht bei Kiefergelenksproblemen (CMD) – in diesen Fällen ist Vorsicht geboten
Zahnpflege-Tipps, die wirklich wirken
Auch wenn Kaugummi kleine Vorteile bietet – eine gute Mundhygiene baut auf verlässliche Säulen:
- Zweimal täglich Zähne putzen – morgens und abends mit fluoridhaltiger Zahnpasta
- Zahnseide oder Interdentalbürsten – mindestens einmal täglich
- Professionelle Zahnreinigung (PZR) – ein- bis zweimal im Jahr
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen – mindestens alle sechs Monate
- Fluoridierung – individuell abgestimmt auf Ihr Kariesrisiko
Diese Maßnahmen schützen langfristig vor Karies, Zahnfleischerkrankungen und Zahnverlust – Kaugummi kann dabei lediglich unterstützend wirken.
Unser Fazit zu “Macht Kaugummi wirklich die Zähne sauber?”
Zuckerfreier Kaugummi ist ein praktischer Helfer für zwischendurch – besonders, wenn keine Zahnbürste zur Hand ist. Er kann die Speichelproduktion fördern, Säuren neutralisieren und ein Gefühl von Frische vermitteln.
Doch für echte Zahnhygiene braucht es mehr: regelmäßiges Zähneputzen, gründliche Zahnzwischenraumreinigung und professionelle Vorsorge.
Wenn Sie wissen möchten, welche Pflegemaßnahmen für Ihre Zähne optimal sind, beraten wir Sie gerne – persönlich, einfühlsam und auf Basis modernster Zahnmedizin.
Ihr Team der MKG Hochrhein